Dienstag, 18. April 2017

Irrt Daniele Ganser wenn er behauptet, die CIA habe den Begriff "Verschwörungstheoretiker" gezielt als "semantische Waffe" initiiert und etabliert?

In der folgenden Passage aus dem Interview von Jens Wernicke mit Daniele Ganser behauptet Daniele Ganser wieder einmal, dass die CIA den Begriff "Verschwörungstheoretiker" gezielt initiiert und als "semantische Waffe" gegen Kritiker an der "offiziellen US-Geschichtsschreibung" etabliert habe:


 
Warum wohl löschte der NachDenkSeiten-Journalist und 9/11-Truther Paul Schreyer den gestrigen Kommentar von Werner Schienle, der Daniele Gansers Behauptung aufgrund von CIA-Quellen als Mythos bezeichnet?

"Und noch etwas zum Thema „Verschwörungstheoretiker“, aber eher sozusagen etwas „Enttäuschendes“ (Ich vermute mit 80-95% Wahrscheinlichkeit, dass Sie das schon kennen, aber falls nicht, dann hier mit präziser Quellenangabe):
Vor ein oder zwei Tagen bin ich mal wieder der Darstellung begegnet, wonach der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ seinerzeit im Gefolge der JFK-Ermordung gezielt von der CIA eingeführt wurde mit der expliziten Maßgabe, dass die eigenen und die mit ihnen verbandelten Reihen diesen Begriff künftig gezielt als Verunglimpfungswerkzeug nutzen sollen.
[...] Nun aber das eher unerwartete Fazit meiner Lektüre: Da steht zwar u.a. drin „The aim of this dispatch is to provide material for countering and discrediting the claims of the conspiracy theorists“, aber es lässt sich m.E. nirgends im Text eine explizite Aufforderung finden, diesen term bewusst und systematisch zu „weaponizen“. KEINE Frage ist für mich, dass der Begriff in dieser Weise GENUTZT wird, weltweit millionenfach und systematisch. Aber es scheint doch offenbar ein Mythos zu sein, dass die CIA das seinerzeit mit diesem Text gezielt und strategisch explizit so angestoßen hat."  (Werner Schienle)
Hier nun die aktuelle, heutige Version der Kommentare auf dem Blog von Paul Schreyer, ohne den Kommentar von Werner Schienle.

Kommentare:

  1. "Diese Behauptung kursiert schon seit Längerem in der verschwörungsfreundlichen Szene. Mies bezieht sich auf Rainer Mausfeld, von dem er dieses wohlgehütete Geheimnis erfahren haben will. Mausfeld ist Professor für Psychologe an der Universität Kiel, im Truther-Milieu aber eher durch einen Vortrag mit dem Titel „Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement“ bekannt, der zu einem kleinen YouTube-Hit avancierte. Seither hat der Professor seine Szenebekanntheit mit Interviews in einschlägigen ‚Alternativmedien‘ wie KenFM oder NachDenkSeiten weiter ausbauen können. Er ist beileibe nicht der einzige Akademiker im Milieu, einer der Initiatoren der „Friedensfahrt“ beispielsweise ist der Geograph Rainer Rothfuß
    Mausfeld erwähnt die angebliche Konstruktion des Feindbilds Verschwörungstheoretiker durch die CIA auch in einem Artikel im Truther-Magazin Free21. Die dazugehörige Fußnote verweist auf das Buch Conspiracy Theory in America von Lance deHaven-Smith, das 2013 in den USA erschienen ist. Dessen Autor, seines Zeichens Professor für Staatsrecht an der Florida State University, hat diese Theorie allerdings nicht selbst aufgestellt, sondern eine spätestens seit den 1990er Jahren kursierende Idee aufgegriffen. Die Meta-Verschwörungstheorie bezieht sich auf die Kontroverse um den Bericht der Warren-Kommission und stützt sich konkret auf ein CIA-Dokument mit der Nr. 1035-960, das 1976 auf Grundlage des „Freedom of Information Act“ veröffentlicht wurde.

    [...] Doch der Begriff ist noch älter. Robert Blaskiewicz, Assistenzprofessor für Critical Thinking an der Stockton University, hat ihn weiter verfolgt: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgte eine Okkultistin namens Helena Blavatsky mit Seáncen und allerlei mystischen Geheimlehren für Furore in den USA. 1885 wurde sie als Schwindlerin entlarvt, die gesamte spiritistische Szene geriet in eine Krise. Unter anderem kam heraus, dass sich Blavatsky eines Netzes von Informanten bedient hatte, um ihre angebliche Fähigkeit zur Hellseherei zu simulieren. Ein theosophisches Journal namens The Path eilte der Mystikerin zu Hilfe. In einem Artikel vom Mai 1890 wurde die Behauptung, es habe ein Spitzelnetzwerk gegeben, wörtlich als „conspiracy theory“ abgetan.

    Doch auch das ist nicht die erste überlieferte Erwähnung. 1870 warf der Schriftsteller und politische Aktivist Charles Reade den Mitarbeitern psychiatrischer Einrichtungen in Großbritannien vor, die brutale Misshandlung von Patienten systematisch zu vertuschen. Sie würden eine Methode verwenden, den Insassen schmerzhafte Knochenbrüche zuzufügen, die äußerlich nicht erkennbar sind – und kollektiv darüber schweigen. Auch die Fachzeitschrift Lancet setzte sich kritisch mit dem Phänomen auseinander. Das konkurrierende Journal of Mental Science hingegen wies die Behauptung Reades als Verschwörungstheorie zurück. Dabei verwendete es das Wort als Kampfbegriff, um einen unliebsamen Kritiker zu diskreditieren – ganz ohne CIA-Anleitung."

    http://www.leverage-magazine.com/wurde-der-begriff-verschwoerungstheorie-vom-us-geheimdienst-erfunden/

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    1. Die CIA hat‘s nicht erfunden, Herr Doktor Ganser...

      #Lückendoktor

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  2. Sira Nussbaummer: "Gansers Behauptung, dass Trump den Abwurf der MOAB befohlen hatte ist, falsch"
    https://www.facebook.com/DanieleGanser/posts/1411391715588972?comment_id=1411690178892459&reply_comment_id=1412489078812569&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D

    #Lückendoktor

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