Donnerstag, 20. April 2017

Die NachDenkSeiten bezeichnen Wolfgang Liebs Abschiedsschreiben als "komplett irrelevant"...

"Die NachDenkSeiten bezeichnen sich selbst als "Die kritische Website". Es handelt sich dabei um ein Projekt, das 2003 von dem ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller gegründet wurde. Mitherausgeber Wolfgang Lieb, ebenfalls Ex-SPD-Politiker, zog sich 2015 von dem Projekt zurück. Er kritisierte in einer Erklärung die Methoden der Kritik und die Art der Auseinandersetzung auf der Seite.Die "Frankfurter Rundschau" zählte die NachDenkSeiten zu einer neuen Gegenöffentlichkeit, die gegen eine vermeintliche Gleichschaltung der deutschen Medien anschreibe und dabei keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen und Verschwörungstheorien habe."  (Patrick Gensing, Faktenfinder der Tagesschau)


Jens Berger von den NachDenkSeiten wollte diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und attackierte Patrick Gensing im gestrigen Artikel "Die Tagesschau will den NachDenkSeiten ans Leder und macht sich dabei nur selbst lächerlich".

NachDenkSeiten Watch hat sich Jens Bergers wütendes Geschreibsel näher angeschaut und kommt zu folgender Einschätzung:
 
"Patrick Gensing unterzieht die komische Kritik der NDS an SPON, bezgl. des Kampagnenversuchs mit einer E-Mail an lithauische Entscheider, die die gerade dort stationierte Bundeswehr diffamieren sollte - also Gensing unterzieht diese Berger-Kritik nochmal einem Faktencheck.
Er ist souverän genug, Fehler bei SPON zuzugeben (die diese selbst schon zugegeben hatten).
Erstmal erklärt er, dass nicht jeder Fehler gleich eine FakeNews ist, NDS und Konsorten argumentierten in letzter Zeit häufiger mit solchen Fehlern, die sie "FakeNews" nennen, um angeblich zu beweisen, dass die FakeNews-Produzenten bei der "Kampfpresse" sitzen und nicht bei den lieben Russen.
FakeNews sind bewusst in Umlauf gebrachte, gezielte Falschmeldungen und nicht Fehler in der Berichterstattung.
So weit so gut.Berger antwortet verworren auf NDS.
[...] Wie er allerdings darauf kommt, dass besagte E-Mail unstrittig keine FakeNews sei, bleibt sein Geheimnis. Er wirft dermaßen mit Nebelkerzen um sich, dass ihm seine Anhänger treu folgen - weil sie gar nicht mehr klar sehen und ihrem Guru blind glauben.
Gensing schreibt ganz klar, besagte E-Mail ist eine FakeNews, weil sie bewusst in Umlauf gebracht wurde. Das stellt auch Berger nicht in Abrede. Inwieweit sie wirkungsvoll gewesen sei, sei eine andere Frage.
Berger hingegen behauptet, die Wirkungslosigkeit sei ein Beweis dafür, dass es sich nicht um eine FakeNews gehandelt habe und SPON deshalb selbst Kampagne fahre.
Dazu 2 Bemerkungen:
- Es ist typisch für active measures, eine Desinformation in unscheinbarer Dosierung zu starten, um keinen Verdacht zu erregen. Also eine typische Vorgehensweise des KGB-FSB - ein Indiz, Herr Berger!
- Die Kampagne konnte sich auch aus dem Grund nicht entfalten,weil in Litauen schnell reagiert wurde. Ein Beispiel für eine wirkungsvollen Bekämpfung gegen eine FakeNews aka Desinformation.
und noch eine:
- Auch Gensing verlinkt die NDS nicht, um ihr ranking nicht zu verbessern."
 
 
 
 
Interessant finde ich, dass Jens Berger - Albrecht Müllers rechte Hand - das Abschiedsschreiben des ehemaligen NachDenkSeiten-Mitherausgebers Wolfgang Lieb als "in diesem Zusammenhang komplett irrelevant" bezeichnet...
 
Meine Meinung: Eben genau darum ging es Wolfgang Lieb! Wolfgang Lieb schrieb nämlich:
"Es reicht eben m.E. nicht aus, die Welt moralisch in „Freund“ und „Feind“ aufzuteilen und die Ursache nahezu allen Übels auf der Welt „einflussreichen Kräften“ (oft in den USA) oder undurchsichtigen „finanzkräftigen Gruppen“ oder pauschal „den Eliten“ zuzuschreiben. Die Reduktion gesellschaftlicher Konflikte auf einen Antagonismus zwischen „Volk“ und „Eliten“ halte ich für missbrauchsanfällig.
[...] Meinem Verständnis von Überzeugungsarbeit entspricht es nicht, wenn man Menschen mit konträrer Meinung als „gekauft“, „nicht unabhängig“, als „Agenten der US-Eliten“ als „Einflussagenten“ oder als von „anderen Kräften“ oder gar von „Diensten“ bestimmt usw. usf. beschimpft.
Wer selbst potentielle und für politische Veränderungen auch notwendige Bündnispartner derart attackiert, dass sie sich – schon aus Selbstrespekt – abwenden müssen, schwächt und spaltet die um einen gesellschaftlichen Fortschritt bemühten Kräfte.
Ich verstehe die NachDenkSeiten nicht als ein Organ der „Gegenpropaganda“ und sehe deshalb etwa „RT Deutsch“ nicht als Gegenpart zur „Bild“-Zeitung. Weder bei Propaganda noch bei Gegenpropaganda geht es nämlich um Aufklärung, sondern um eine bevormundende Beeinflussung des Denkens und Fühlens von Menschen und damit um eine Steuerung der öffentlichen Meinung bis hin zur Manipulation. Wenn man das Bemühen um Objektivität und Unabhängigkeit vernachlässigt, gerät man leicht selbst in ein zweifelhaftes publizistisches Umfeld." (Wolfgang Lieb)

Vielleicht hätten sich Albrecht Müller und Jens Berger das Abschiedsschreiben des ehemaligen Freundes mehr zu Herzen nehmen sollen...
 
 

Kommentare:

  1. Gleiches Thema bei den Neulandrebellen...
    http://www.neulandrebellen.de/2017/04/ard-faktenerfinder-versus-nachdenkseiten-jetzt-noch-billiger-und-schmutziger/

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  2. FB-Kommentar von Mirko Lux: Lieber Jens Berger, wo im Text der ARD-Tagesschau wird mit einem Wort erwähnt, dass die Nachdenkseiten Verschwörungstheoretiker sind? Und wo im Text stellt die ARD-tagesschau die Behauptung auf, dass sie den Nachdenkseiten ans Leder will? Wenn Sie Ihre sachlichen Analysen auf BILD Niveau senken wollen, dann sind Sie auf einem guten Weg, oder war es ein Stilmittel um auf den ursprünglichen Artikel von SPON Bezug zu nehmen?"
    https://www.facebook.com/NachDenkSeiten/posts/10155210750718627

    Bisher noch keine Antwort von Albrecht Müllers rechter Hand...

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  3. Gaby Weber nicht mehr im Rubikon-Beirat.
    Archivaufnahme, als sie noch drin war:
    https://archive.is/JniS8

    Gründe?

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